Was ist Mediation?

Mediation ist ein freiwilliges, strukturiertes und außergerichtliches Verfahren, bei dem eine neutrale Instanz die Konfliktparteien dabei unterstützt, eigenverantwortlich tragfähige Lösungen zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen nicht Schuld oder Recht, sondern die Interessen aller Beteiligten sowie ein respektvoller Dialog. Mediation eignet sich sowohl für private als auch für berufliche Konflikte und schafft einen geschützten Raum für nachhaltige Verständigung.

3–4 Minuten

Mediation oder Meditation

In den ersten Monaten meiner Ausbildung zur Mediatorin schaute ich in viele ungläubige Gesichter. Familie und Freunde konnten schlichtweg nicht glauben, dass ich mich plötzlich für Medi-t-ation interessieren und hierfür sogar eine zweijährige Ausbildung machen würde. Ein einziger Buchstabe sorgte für reichlich Verwirrung, denn der Begriff Mediation war schlichtweg nur wenigen Leuten geläufig und es wurde deshalb oft automatisch auf die Technik des Fokussierens, der Achtsamkeit und der Konzentration geschlossen. Es dauerte demnach eine Weile, bis alle Bescheid wussten, dass ich mich im Bereich Konfliktmanagement ließ. Schon damals zeigte sich also, dass die Mediation in unserer Gesellschaft wenig Popularität genießt. Seither hat sich wenig verändert. Meine Familie und Freunde wissen zwar nun, was Mediation ist und was genau ich in diesem Bereich tue. Wenn ich allerdings in meiner Rolle als Beraterin auf Menschen in Konfliktsituationen treffe, wissen diese häufig nichts damit anzufangen, wenn ich ihnen Mediation vorschlage.

Es gibt einerseits Aufklärungsbedarf, um Mediation einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und andererseits besteht die Notwendigkeit, das Verfahren zur Konfliktschlichtung populärer zu machen, denn dieses kann sowohl für Unternehmen als auch für Privatpersonen so vieles leisten. Widmen wir uns also zunächst der Frage, was genau hinter dem Begriff Mediation steckt.

Der Begriff Mediation

Bereits in der Antike wurden neutrale Vermittler hinzugezogen, wann immer Konflikte zu eskalieren drohten. Bis diese Herangehensweise jedoch zu einem anerkannten Verfahren wurde, sollte es noch einige Jahrtausende dauern. Die Mediation als das, was wir heute darunter verstehen, etablierte sich zunächst in den USA und kam von dort erst in den 1990er Jahren nach Österreich – sie steckt demnach in unseren Breiten noch in den Kinderschuhen, wonach es verständlich ist, dass der Begriff für viele einer Erklärung bedarf.

Unter Mediation versteht man ein konstruktives und strukturiertes außergerichtliches Verfahren, bei dem ein:e Mediator:in als neutrale:r Vermittler:in die Konfliktparteien dabei unterstützt, ihren Konflikt eigenständig zu lösen. Ziel ist es, Lösungen zu erarbeiten – jedoch nicht einfach irgendwelche, sondern solche, bei denen die Interessen aller Konfliktparteien so berücksichtigt werden, dass die Ergebnisse langfristig tragfähig bleiben.

Was ist Mediation? (Grafik von Praxis für Wirtschaftspsychologie)

Grundprinzipien der Mediation

Die Mediation stützt sich auf vier Grundprinzipien, ohne welche eine erfolgreiche Konfliktbeilegung nicht möglich ist.

  • Freiwilligkeit
    Niemand kann gezwungen werden, an einer Mediation teilzunehmen. Das wäre nicht zielführend, denn nur wer sich aus freien Stücken darauf einlässt, kann von einer Mediation profitieren.
  • Allparteilichkeit
    Mediator:innen sind als neutrale Vermittler:innen im Einsatz. Sie sind im Gegensatz zu Schiedsrichter:innen im Sport nicht dazu verpflichtet, kein Team zu bevorzugen, also unparteiisch zu agieren, sondern sie agieren allparteilich. Das bedeutet, dass Mediator:innen gleichermaßen für alle beteiligten Konfliktparteien einzustehen haben.
  • Vertraulichkeit
    Professionelle Mediator:innen haben Schweigepflicht. Das bedeutet, dass alle im Mediationsverfahren besprochenen Inhalte vertraulich behandelt werden müssen.
  • Eigenverantwortung
    Obwohl Mediator:innen Expert:innen für Konflikte sind, geben sie die Lösungen nicht vor, sondern unterstützen die Beteiligten bei deren autonomen Erarbeitung von tragfähigen Lösungen. So wird sichergestellt, dass die Einigung auch langfristig Bestand haben kann.
Die vier Grundprinzipien der Mediation (Grafik von Praxis für Wirtschaftspsychologie)

Konflikte sind nicht selten sehr belastend für die Betroffenen. Die Mediation schafft einen Raum, in dem offen und respektvoll ein Weg aus dem Konflikt gelingen kann.

Ist Mediation etwas für mich?

Egal ob eine andauernde Auseinandersetzung am Arbeitsplatz für Probleme sorgt, oder der Wunsch besteht, eine Trennung ohne Dramen zu vollziehen – Mediation kann als Schlichtungsverfahren im wirtschaftlichen Kontext (B2B) genauso zum Einsatz kommen wie im privaten/familiären Bereich (B2C).

Wenn du dir nicht sicher bist, ob Mediation etwas für dich ist, kontaktiere am besten eine Mediatorin oder einen Mediator, um dich über deine Möglichkeiten aufklären zu lassen. In Österreich findest du eine Übersicht aller Mediator:innen des Bundesministeriums für Justiz online: Liste der Mediator:innen des BMJ. Hier kannst du nach Fachgebieten und Standorten suchen. Oder du klickst einfach hier auf Termin buchen und vereinbarst ein unverbindliches Erstgespräch.

Eines ist aus meiner Sicht klar: Für all jene, die sich vom Problemdenken loslösen wollen und endlich an echten Lösungen arbeiten wollen, ist Mediation auf jeden Fall einen Versuch wert.

Ein Artikel von Robina Kuntara

Hinterlasse einen Kommentar